Luca Primavesi reist um die Welt, besucht Raffinerien und verhandelt mit Lieferanten. Für ihn ist das Familienunternehmen Evvaoil mehr als ein Arbeitsplatz. Es ist ein Traditionsbetrieb aus Niederösterreich, der sich zwischen Großkonzernen und globalen Lieferketten behauptet. Dabei verbindet das Unternehmen historisches Know‑how mit moderner Produktionstechnik und gezieltem Wachstum.
Evvaoil: Ein heimischer Produzent von Premium‑Schmierstoffen
Evvaoil produziert seit Generationen in Margarethen am Moos. Das Werk in Niederösterreich füllt, mischt und verpackt Schmierstoffe, Öle und Fette für verschiedene Industrien. Die Produktion erfolgt in kleinen bis mittleren Chargen. So bleiben Flexibilität und Qualitätskontrolle erhalten.

- Produktgruppen: Motoröle, Hydrauliköle, Kühlschmierstoffe, Spezialschmierstoffe.
- Volumen: Rund 20 Millionen Liter jährlich.
- Mitarbeiter: Etwa 50 festangestellte Kräfte plus Logistikpartner.
Die Fertigung setzt auf moderne Tanks und Abfüllanlagen. Prozesse sind laufend optimiert. So erreicht das Unternehmen Effizienz ohne Massenfertigung.
Wie Evvaoil sich gegen Multinationale behauptet
Der Schmierstoffmarkt wird von großen Marken dominiert. Dennoch hat Evvaoil eine Nische gefunden. Das gelingt durch Spezialisierung und Service. Kunden schätzen individuelle Rezepturen und kurze Lieferwege.
Exportmärkte sind zentral. Mehr als die Hälfte der Produktion geht ins Ausland. Internationalisierung ist daher ein Schlüssel zur Stabilität.
- Hauptabsatzbranchen: Automobil, Metallverarbeitung, Bau- und Landmaschinen.
- Öffentlicher Sektor: Reparaturwerke und kommunale Flotten.
- OEM‑Lieferungen an Maschinenhersteller.
Wachstumsstrategie: Effizienz und gezielte Übernahmen
Evvaoil setzt nicht auf rasantem Wachstum. Stattdessen folgt die Firma einer selektiven Strategie. Investitionen in Produktionstechnik sollen die Kosten senken. Gleichzeitig werden Handelsfirmen übernommen, um Vertrieb und Sortimente zu stärken.
Ein aktuelles Ziel ist die Expansion im Bereich Kühlschmierstoffe. Dazu kamen Generalvertretungen und Partnerschaften. Diese Schritte erhöhen die Marktreichweite ohne hohe Kapitalrisiken.
Nachhaltigkeit: Rohstoffe, Recycling und CO₂‑Bilanz
Auch ein traditioneller Schmierölhersteller stellt sich heute der Nachhaltigkeitsfrage. Evvaoil integriert zunehmend recycelte Basisöle. Biogene Komponenten sind in einigen Produkten bereits enthalten.

Konkrete Maßnahmen
- Einbau moderner, doppelwandiger Tankanlagen.
- Einsatz von wiederaufbereiteten Grundölen.
- Produktentwicklung mit degradierbaren Additiven.
Für Geschäftsführung und Kunden gilt: Nachhaltigkeit wird zum Wettbewerbsfaktor. Wer heute in CO₂‑Reduktion investiert, sichert Marktchancen für morgen, sagt die Unternehmensleitung.
Die junge Generation an der Spitze
Luca Primavesi hat in Wien, London und New York studiert. Er bringt internationales Managementwissen ins Familienunternehmen. Seit 2019 teilt er die Geschäftsführung mit seinem Vater. Die Übergabe erfolgt schrittweise.
Seine Erfahrung aus mehr als 70 Ländern hilft bei Lieferkettenfragen. Zugleich bleibt der Lebensmittelpunkt in Margarethen am Moos. Diese Kombination ist Teil der Geschäftsphilosophie.
Unternehmenszahlen und wirtschaftliche Lage
- Jahresumsatz: Circa 30 Millionen Euro.
- Exportanteil: Über 60 Prozent des Umsatzes.
- Beschäftigungsmodell: Flache Hierarchien und langjährige Mitarbeitende.
Die letzten Jahre brachten konjunkturelle Belastungen. Trotz dreier Rezessionsjahre steuert das Unternehmen auf Wachstum durch Effizienz und gezielte Akquisitionen.
Belegschaft, Kultur und Tradition
Viele Beschäftigte sind seit Jahren im Betrieb. Diese Kontinuität schafft Vertrauen und Wissenstransfer. Flache Strukturen ermöglichen schnelle Entscheidungen.
Die Firmenkultur verbindet handwerkliche Präzision mit wirtschaftlichem Pragmatismus. Kunstelemente aus Familiengeschichte bleiben Anekdote, nicht Last. Identifikation der Mitarbeiter gilt als wichtigstes Kapital.
Technik und Modernisierung am Standort
Die Produktionsanlagen wurden in den letzten Jahren erneuert. Digitalisierte Prozesse kommen in Labor und Abfüllung zum Einsatz. Automatisierung reduziert Fehler.
- Qualitätskontrolle: Labore für Eigen- und Fremdprüfung.
- Logistik: Kooperationen mit regionalen Dienstleistern.
- Facility‑Upgrades: Sicherheit und Umweltschutzmaßnahmen.
Marktrisiken und Chancen
Risiken ergeben sich aus Rohölpreisen, geopolitischen Entwicklungen und dem Druck großer Marken. Chancen eröffnen sich durch Nischenprodukte und nachhaltige Lösungen.
- Chancen: Maßgeschneiderte Produkte, Exportdiversifikation.
- Risiken: Rohstoffpreise, Wettbewerb durch Billiganbieter.
- Strategie: Fokus auf Qualität, Service und nachhaltige Rohstoffe.
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Markus Huber ist Industrie-Analyst mit Schwerpunkt auf Automatisierung und 3D-Fertigung. Er zeigt Ihnen, wie Sie Prozesse digitalisieren und Ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.