Fabrik2026: Hirschmann Automotive gewinnt trotz Umbau im laufenden Betrieb

Mitten im laufenden Betrieb eine Fabrik grundlegend umbauen und trotzdem lieferfähig bleiben: Das gelang Hirschmann Automotive in Rankweil. Die Transformation kombinierte Industrie‑4.0‑Ansätze mit energetischen und organisatorischen Maßnahmen. Das Ergebnis brachte dem Werk den Sieg beim umkämpften Fabrik2026‑Wettbewerb.

Warum Rankweil als Vorbild für moderne Produktion gilt

Der Standort in Vorarlberg zeigte, wie sich Effizienz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit verbinden lassen. In Rankweil wurden bestehende Gebäude, Anlagen und Prozesse schrittweise erneuert. Ziel war nicht nur technische Modernisierung. Es ging um dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz in einem volatilen Markt.

Produktion in einer anonymisierten Fabrikhalle mit Montagebändern und Technik
Rankweil verbindet Effizienz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit im laufenden Betrieb.

  • Keine Produktionsunterbrechung: Umbau im Brownfield bei voller Auslastung.
  • End-to-End‑Denken: Material- und Informationsflüsse wurden durchgängig betrachtet.
  • Operative Stabilität vor Automatisierung: Prozesse zuerst robust machen, dann digitalisieren.

Strategie: Stabilisieren, standardisieren, automatisieren

Die Verantwortlichen verfolgten einen klaren Fahrplan. Zuerst wurden Prozesse harmonisiert und Risiken minimiert. Danach folgte die definierte Automatisierung einzelner Abschnitte. Dieses Vorgehen reduzierte Ausfallrisiken und erhöhte die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher IoT‑ und Robotik‑Projekte.

Wesentliche Schritte im Transformationsfahrplan

  • Risikobewertungen und Fallback‑Szenarien entwickeln.
  • Testphasen und präzise Cutover‑Pläne umsetzen.
  • Mitarbeiter für neue Aufgaben qualifizieren und einbinden.

Operational Excellence blieb Leitprinzip. Maßnahmen konzentrierten sich auf Qualität, Liefertreue, Produktivität und Kosteneffizienz.

Datenstruktur: Drei Ebenen für Transparenz und Steuerung

Um die Flut an Produktionsdaten nutzbar zu machen, setzte das Werk auf ein dreistufiges Modell. Die Struktur erleichtert Entscheidungen auf allen Ebenen.

  • Ebene 1 – Shopfloor / Adjuster‑POT: Direkte Informationen für Mitarbeitende am Arbeitsplatz.
  • Ebene 2 – Segmentüberwachung: Gruppen von Maschinen werden gekoppelt und überwacht.
  • Ebene 3 – Bereichs‑ und Strategiedaten: Kennzahlen für Gesamtperformance und langfristige Planung.

So entstehen schnelle operative Eingriffe und fundierte strategische Entscheidungen aus derselben Datenbasis.

KI und smarte Automatisierung: Klein starten, groß denken

Nachdem Datenströme etabliert waren, folgten erste KI‑Pilotprojekte. Der Fokus liegt auf Smart Monitoring, ereignisorientierten Reaktionen und prädiktiver Instandhaltung. Ziel ist höhere Maschinenautonomie und weniger ungeplante Stillstände.

  • Pilotprojekte bewusst klein halten.
  • Erfolgsmodelle in die bestehende IT‑ und Produktionslandschaft integrieren.
  • Insellösungen vermeiden; auf Skalierbarkeit achten.

Die Devise lautet: Digitalisierung, Automatisierung oder KI nur dort einsetzen, wo technischer und wirtschaftlicher Nutzen nachgewiesen ist.

Nachhaltigkeit als Transformationsmotor: Net Zero 2039

Ein weiteres großes Ziel ist Klimaneutralität. Hirschmann Automotive verfolgt die Zielmarke Net Zero 2039. Bis 2026 sollen alle Standorte mit 100 Prozent Ökostrom versorgt werden.

Photovoltaik-Module auf Fabrikdach in Installation
Eigene Photovoltaikprojekte sind Teil von Hirschmanns Nachhaltigkeitsstrategie.

Konkrete Hebel für geringere Emissionen

  • Eigene Photovoltaik‑Projekte und Einkauf grüner Energie.
  • Recycling‑ und Wiederverwendungsstrategien für Kunststoffe.
  • Dekarbonisierung basierend auf CO2‑Fußabdrücken.
  • Kooperationen zur Rückgewinnung von Materialien aus Altfahrzeugen (Scope 3).

Automatisierung und Mensch‑Maschine‑Kooperation sollen zudem helfen, Energie effizienter einzusetzen und Abfälle zu verringern.

Personalentwicklung: Ausbildung, Akademie und neue Rollen

Für die Transformation ist Weiterbildung zentral. Das Werk investiert in eine interne Akademie, eine eigene Produktionsschule und ein attraktives Angebot für Mitarbeitende.

  • Mehr als 70 Lehrlinge am Standort als langfristige Fachkräftebasis.
  • Programme zur Qualifizierung für digitalisierte Arbeitsschritte.
  • Führungskräfteentwicklung und Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung.

Der Wandel verlangt neue Kompetenzen. Gleichzeitig bleibt der Fokus auf dem Kerngeschäft Automotive.

Fabrik2026: Der Wettbewerb und die weiteren Finalisten

Der Fabrik2026‑Preis von Fraunhofer Austria und INDUSTRIEMAGAZIN prämiert nicht die polierte Fassade, sondern messbare Verbesserungen. Neben Hirschmann erreichten drei weitere österreichische Unternehmen das Finale.

  • Fill Maschinenbau: Setzt auf digitale Zwillinge und virtuelle Inbetriebnahme.
  • hollu Systemhygiene: Modernisierte Produktion mit Augenmerk auf CO2‑Neutralität.
  • Zotter Schokolade: Beherrscht umfangreiche Variantenvielfalt durch Fertigungstiefe.

Bei den Vor‑Ort‑Evaluierungen wurden Effizienz, Digitalisierung, Resilienz und Nachhaltigkeit geprüft. Die Jury erwartete harte Fakten statt PR‑Versprechen.

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