Rittal ohne Loh: Droht dem Schaltschrank-Riesen das Aus?

Friedhelm Loh steht mit 80 Jahren weiterhin im Zentrum eines Unternehmens, das weltweite Bedeutung hat. Rittal ist in vielen Branchen ein Synonym für Schaltschränke, Kühlung und Rechenzentrums-Infrastruktur. Doch trotz hoher Umsätze, moderner Fabriken und globaler Präsenz bleibt eine Frage unbeantwortet: Kann das Lebenswerk des Gründers auch ohne ihn erfolgreich weiterlaufen?

Rittal heute: Kennzahlen, Standorte und die Rolle innerhalb der Friedhelm Loh Group

Die Friedhelm Loh Group beschäftigt knapp 12.900 Menschen. Rund 5.500 davon arbeiten in Deutschland.

Produktionshalle mit Maschinen und Mitarbeitenden in der Ferne
Rittal beschäftigt Tausende in vernetzten Produktionsstandorten.

  • Umsatz 2025: etwa 3,2 Milliarden Euro.
  • 94 Tochtergesellschaften und 13 Produktionsstätten weltweit.
  • Rittal allein: rund 9.600 Mitarbeitende und 65 Tochterfirmen.

Rittal liefert Schaltschränke, Stromverteilung, Kühltechnik und Infrastruktur für Rechenzentren. Zusammen mit Eplan ist ein System aus Hardware, Software und Automatisierung entstanden.

Vom Familienbetrieb zum Systemanbieter: Die technische Entwicklung

Begonnen hat alles mit standardisierten Gehäusen. Daraus wurde über Jahrzehnte ein integriertes Angebot.

  • Serienfertigung statt Einzelanfertigung.
  • Ergänzung durch Stromverteilung, Klimatisierung und IT-Infrastruktur.
  • Software und Engineering als Schlüsselfaktoren.

Moderne Werke verbinden Digitalisierung und Automatisierung. Das Rittal-Werk in Haiger zeigt das. Es setzt auf vernetzte Produktionsprozesse. So entsteht Effizienz im großen Stil.

Werte und Identität: Wie ein Eigentümer die Firma formt

Die Identität der Gruppe ist stark mit ihrer regionalen Verwurzelung verbunden. Haiger und Herborn bleiben zentrale Standorte.

Friedhelm Loh hat die Unternehmenskultur aktiv geprägt. Sein christlich geprägtes Werteverständnis spielt dabei eine Rolle.

Für Kandidaten auf Führungspositionen bedeutet das: Hier übernimmt man nicht nur eine Firma. Man tritt in ein wertebasiertes System ein.

Nachfolge in der Praxis: Drei externe Manager und ihr Weg

In weniger als zehn Jahren wurden drei erfahrene Führungskräfte mit zentralen Aufgaben betraut. Alle drei verließen die Gruppe wieder.

Karl‑Ulrich Köhler

2016 kam Köhler als CEO von Rittal International. Er brachte Erfahrung aus großen Industriekonzernen mit. Nach vier Jahren verließ er das Unternehmen.

Markus Asch

2021 übernahm Asch die Leitung. Seine bisherige Karriere bei Kärcher wirkte passend für ein Familienunternehmen mit starken Eigentümerstrukturen. 2024 endete seine Zeit bei Rittal.

Niko Mohr

Mohr kam 2024 aus der Strategieberatung. Er sollte die digitale und organisatorische Transformation vorantreiben. Nach etwa einem Jahr kündigte auch er seinen Rückzug an.

Die Gründe für die Wechsel sind nicht öffentlich eindeutig. Offizielle Statements sprechen von geordneten Abgängen. Externe Beobachter sehen dagegen ein strukturelles Problem.

Warum externe Chefs hier schwer Fuß fassen

Einige Faktoren machen die Aufgabe anspruchsvoll:

  • Starke persönliche Prägung durch den Gründer.
  • Enge regionale Bindung und familiäre Werte.
  • Erwartung, mehr zu gestalten als nur zu verwalten.

Nachfolge heißt nicht nur Ablösung. Sie verlangt, Verantwortung abzugeben und Macht neu zu verteilen. Das ist leichter gesagt als getan.

Strategische Bruchlinien: Zwischen Bewahrung und Neuerfindung

Rittal steht nicht nur vor einer personellen Frage. Es muss entscheiden, wie die Strategie weiterentwickelt wird.

Das traditionelle Maschinen- und Anlagenbaugeschäft steht unter Druck. Zugleich öffnen sich durch Digitalisierung und KI neue Felder.

Diese Entscheidungen betreffen Investitionen, Partnerschaften und Kompetenzaufbau. Sie erfordern Mut zur Veränderung.

Was ein neuer CEO können muss: Aufgaben und Erwartungen

Ein effektiver Nachfolger müsste mehr leisten als operative Effizienz. Erwartet werden:

  1. Fähigkeit, Strategie und Organisation anzupassen.
  2. Mut, zwischen Bewährtem und Neuerung zu vermitteln.
  3. Respekt vor der Firmenkultur und gleichzeitiger Gestaltungswille.

Nur mit echter Entscheidungsfreiheit lässt sich das Unternehmen in Zeiten rascher Technologieverschiebungen neu ausrichten.

Wachstumstreiber KI und Rechenzentren: Die große Chance

Der Boom künstlicher Intelligenz beschert den Betreibern von Rechenzentren wachsenden Bedarf. Rittal ist dafür in idealer Position.

Rechenzentrum mit Serverracks und Kühlsystemen
Rechenzentren treiben Nachfrage nach spezialisierter Kühlung und Energieverteilung.

  • Höherer Energiebedarf verlangt neue Lösungen.
  • Kühlung und Energieverteilung werden zu Kernkompetenzen.
  • Software und Automatisierung bieten Mehrwert

Die Frage ist, wie aggressiv Rittal in diese Bereiche vorstoßen will. Kooperationen, Eigenentwicklung oder Akquisitionen sind Optionen.

Organisation statt Einzelentscheid: Die ungelöste Aufgabe

Technische Transformation hat Loh mehrfach erfolgreich gemeistert. Die organisatorische Wende bleibt offen.

Der Kern der Herausforderung lautet: Strukturen etablieren, die ohne tägliche Eingriffe funktionieren.

Die zentrale Aufgabe ist daher nicht nur ein Nachfolger, sondern ein System, das dauerhaft trägt. Ob und wie das gelingt, ist derzeit noch nicht entschieden.

Ähnliche Artikel

Bewerten Sie diesen Artikel
Lesen Sie auch  Stellantis Werksschließungen: Absatzkrise zwingt zum Kahlschlag

Leave a Comment

Share to...