Fast ein Jahrzehnt nach dem Zukauf durch den Technologiekonzern ABB steht der oberösterreichische Automatisierungsspezialist B&R vor einer Phase tiefgreifender Veränderung. Der frisch ernannte CEO Christian Strahberger skizziert einen Maßnahmenkatalog, mit dem das Unternehmen wieder kräftiger verdienen soll. Im Mittelpunkt stehen die Internationalisierung der Produktion, eine deutlich schnellere interne Abwicklung und ein gezielter Umbau des Produktangebots. Diese Schritte werfen Fragen zur Zukunft des Standorts Eggelsberg auf.
Strategische Neuausrichtung bei B&R nach ABB-Integration
B&R gilt als wichtiger Lieferant für industrielle Steuerungs- und Automatisierungslösungen. Nach der Übernahme durch ABB haben sich Erwartungen und Ziele verschoben. Die neue Führung signalisiert: Mehr Effizienz und höhere Margen sind jetzt Priorität.
- Besseres Zusammenspiel mit ABBs globalen Geschäftseinheiten
- Stärkerer Fokus auf rentable Produktsegmente
- Schnelleres Reagieren auf Marktverschiebungen
Die drei Säulen von Christian Strahbergers Plan
Der CEO nennt mehrere Hebel, die gemeinsam die Ertragslage verbessern sollen. Diese Schwerpunkte betreffen Produktion, Prozesse und Portfolio.
Wertschöpfung international verteilen
Ein Teil der Strategie ist, Fertigung und Montage international zu streuen. Das Ziel ist, Nähe zu Schlüsselmärkten zu schaffen und Kosten zu optimieren.

- Verlagerung bestimmter Produktionsschritte ins Ausland
- Aufbau regionaler Lieferketten
- Partnerschaften mit lokalen Fertigern zur Kapazitätserweiterung
Prozesse beschleunigen und schlanker organisieren
Interne Abläufe sollen schneller werden. Dazu zählen Entwicklungstempo, Order-to-Cash und Einkauf. Eine straffere Organisation soll Reaktionszeiten senken.

- Einführung digitaler Werkzeuge für die Zusammenarbeit
- Verschlankung von Entscheidungswegen
- Automatisierung repetitiver Backoffice-Aufgaben
Portfolio umbauen: Konzentration auf Kernlösungen
B&R plant, sein Produktangebot zu prüfen und zu straffen. Weniger, dafür profitablere Linien sollen künftig dominieren.
- Identifikation ertragsstarker Produktfamilien
- Auslauf strategisch unwichtiger Produkte
- Investitionen in Software und vernetzte Lösungen
Was der Plan für den Standort Eggelsberg bedeutet
Eggelsberg ist das Herz von B&R in Österreich. Änderungen im Produktions- und Entwicklungsmix treffen den Standort direkt.
- Arbeitsplätze könnten umstrukturiert werden.
- Fertigungsschritte könnten teilweise verlagert werden.
- Gleichzeitig besteht die Chance auf neue Aufgabenfelder im Bereich Software und Systemintegration.
Für die Belegschaft bedeutet das Wandel, nicht zwingend Abbau. Qualifikation und Umstieg auf höherwertige Tätigkeiten werden zentral.
Reaktionen aus Markt und Belegschaft
Mitarbeiter zeigen gemischte Gefühle. Einige sehen Risiko, andere Chance. Betriebsrat und Belegschaft fordern Transparenz.
- Angst vor Stellenverlust in Fertigung
- Interesse an Umschulungsprogrammen
- Markt beobachtet, ob ABB-Integration echte Synergien bringt
Chancen für Wachstum und Risiken der Internationalisierung
Die Internationalisierung kann Margen verbessern und Kunden näherbringen. Doch sie birgt auch Risiken.
- Komplexere Lieferketten erhöhen die Anfälligkeit
- Standortintelligenz in Eggelsberg könnte verloren gehen
- Erfolgreich, wenn Know-how und Kultur erhalten bleiben
Was jetzt wichtig wird
Transparente Kommunikation, klare Investitionsentscheidungen und ein Plan für Weiterbildung sind entscheidend. Nur dann kann B&R seine Profitabilität steigern, ohne seine Identität zu verlieren.
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Markus Huber ist Industrie-Analyst mit Schwerpunkt auf Automatisierung und 3D-Fertigung. Er zeigt Ihnen, wie Sie Prozesse digitalisieren und Ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.