Künstliche Intelligenz verändert Lagerhallen radikal. Sie sitzt nicht mehr nur im Hintergrund, sondern steuert Roboter, optimiert Materialflüsse und macht Prozesse vorhersehbarer. Ein Blick auf aktuelle IFOY-Gewinner und Finalisten zeigt, welche Lösungen schon produktiv laufen und welche Technologien als nächstes dominieren könnten.
Wie KI inzwischen operative Entscheidungen trifft
In vielen Systemen übernimmt KI längst praktische Steueraufgaben. Sie entscheidet, wann ein Auftrag gestartet wird. Sie plant Routen. Sie erkennt Paletten und überwacht die Auslastung.
- Auftragssteuerung: KI wertet Versandzeiten aus und startet Einlagerungen je nach Abholfenster.
- Routen- und Flottenkoordination: Modelle optimieren Wege und reduzieren Leerfahrten.
- Predictive Maintenance: Früherkennung von Ausfällen erhöht Anlagenverfügbarkeit.
- Qualitätskontrollen: Bildverarbeitung überwacht Verpackung und Schadenserkennung.
Unternehmen kombinieren unterschiedliche KI-Ansätze. Genetische Algorithmen, klassische Machine-Learning-Modelle und auch Large Language Models kommen parallel zum Einsatz. Manche Anbieter bauen viele Modelle selbst. Andere ergänzen eigene Lösungen mit externen Basismodellen.
Physical AI: Wenn KI Maschinen in der echten Welt handeln lässt
Physical AI bezeichnet KI, die nicht nur Daten analysiert. Sie befähigt Maschinen, ihre Umgebung zu sehen und eigenständig zu agieren. Das verändert die Rolle von Robotik im Lager.

Systeme mit Physical AI übernehmen Picking, Packing und Sortierung. Sie nutzen 3D-Perception, Deep Learning für Greifalgorithmen und kontinuierliches Lernen aus Betriebsdaten.
Beispiele aus der Praxis
- Vision-basierte Greifsysteme, die Objekte in unstrukturierten Stapeln erkennen.
- 3D-Sensorik, die Tiefe und Form in Echtzeit erfasst.
- Kontinuierliche Modellanpassung an reale Betriebsbedingungen.
Edge Cases trainieren: Die „Library of Chaos“
Einige Start-ups setzen gezielt auf ungewöhnliche Situationen. Sie sammeln schwierige Greiffälle und ungewöhnliche Lagerzustände.
Diese Sammlung dient als Trainingsbasis für Modelle, die auch seltene Fehler oder komplizierte Objektlagen verlässlich lösen sollen. Dadurch werden aus Ausnahmen routinierte Abläufe.
Warum eigene Betriebsdaten entscheidend sind
Der wahre Vorteil liegt oft in den Daten. Firmen mit großen Produktions- oder Lagerbeständen nutzen diese Daten, um spezialisierte Modelle zu trainieren.

Ein Anbieter verweist etwa auf Milliarden realer Picks als Datengrundlage. Solche Daten verbessern Navigation, Flottenkoordination und die Anomalieerkennung.
- Spezialisierte Modelle: Mehrere KI-Module statt einer monolithischen Lösung.
- Training auf Realwelt-Daten: Bessere Performance in konkreten Lagerumgebungen.
- Daten als Wettbewerbsvorteil: Langjährige Betriebsdaten sind schwer zu kopieren.
Generative KI ergänzt, ersetzt aber nicht
Generative Modelle gewinnen an Bedeutung. Doch die Mehrheit der Anbieter sieht sie als Ergänzung.
Erwartet werden natürlichere Sprachschnittstellen, Assistenzsysteme und Orchestrierung mehrerer spezialisierter Modelle. Generative KI soll die Interaktion vereinfachen.
- Verbesserte Bedienerführung durch natürliche Sprache.
- Übergeordnete Agenten, die spezialisierte Modelle koordinieren.
- Zusammenspiel von generativer KI und Physical AI für intuitivere Mensch-Maschine-Interaktion.
Ein Blick auf spezielle Strategien: Sprachmodelle für die Softwareentwicklung
Einige Unternehmen verfolgen eine ungewöhnliche Route. Sie nutzen externe Sprachmodelle nicht zur Robotersteuerung, sondern zur Code-Generierung.
Über natürliche Anweisungen werden Änderungen am Prozess in Programmcode umgesetzt. Die Systeme visualisieren die Auswirkungen sofort. Zur Datensicherheit setzen Hersteller auf Anbieter mit strikten Richtlinien zur Nicht-Speicherung von Eingaben.
Vielfalt statt Einheitslösung: KI-Entwicklung in mehrere Richtungen
Die Antworten aus der Branche zeigen eine große Bandbreite an Ansätzen. Einige Firmen fokussieren auf Physical AI und Robotik. Andere setzen auf agentische Frameworks oder generative Modelle für Engineering-Prozesse.
In allen Fällen zielt die Entwicklung darauf ab, Lagerprozesse robuster, effizienter und autonomer zu machen.
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Markus Huber ist Industrie-Analyst mit Schwerpunkt auf Automatisierung und 3D-Fertigung. Er zeigt Ihnen, wie Sie Prozesse digitalisieren und Ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.