Am Stahlstandort Böhler Bleche in Mürzzuschlag wächst die Verunsicherung: Nach dem Wegfall von Leiharbeiterstellen bangt nun auch die Festbelegschaft um die Zukunft. Ein externes Beratungsunternehmen prüft derzeit das Werk. Rund 450 Jobs gelten als gefährdet.
Externe Analyse: Was die Prüfung für das Werk bedeutet
Die Konzernleitung nennt den Standort in Mürzzuschlag einen Fall mit „dringendem Handlungsbedarf“. Deshalb wurde eine externe Beratung beauftragt. Ziel ist es, kurzfristig Handlungsoptionen zu erarbeiten und dem Management eine Faktenbasis zu liefern.
Prüfschwerpunkte der Beratung
- Wirtschaftlichkeit einzelner Produktionsbereiche
- Kapazitätsanpassungen und Kostenstrukturen
- Mögliche Verlagerung oder Verkauf von Geschäftsteilen
- Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität
Interne Kreise sprechen bereits von einem „Sanierer“. Laut Unternehmensangaben laufen erste Projekte zur Ergebnisverbesserung. Konkrete Restrukturierungsmaßnahmen sind aber noch offen.
Auswirkungen auf Beschäftigte und Region
Im Werk herrscht Angst vor weiteren Einschnitten. Mitarbeiter berichten, dass die Stimmung angespannt sei. Auch die lokale Politik zeigt sich alarmiert.

Der Bürgermeister bestätigt die schwierige Lage. Manche Beschäftigte sagen, sie hätten viel Arbeit, aber kaum Ertrag.
- Frühere Maßnahme: Abbau von Leiharbeitern
- Aktuelle Sorge: Stammbelegschaft könnte folgen
- Betroffene Stellen: Rund 450 Arbeitsplätze
Marktdruck: Nachfrage, US-Zölle und wirtschaftliche Belastungen
Der Konzern beschreibt die Absatzlage als volatil. Vor allem im Bereich Werkzeugstahl sind die Mengen rückläufig. Spezialwerkstoffe zeigen teils bessere, aber schwankende Nachfrage.
Handelshemmnisse und Kostenfaktoren
- Seit Juni gelten höhere US-Zölle auf Stahlimporte.
- Voestalpine schätzt die Mehrbelastung auf 50 bis 70 Millionen Euro jährlich.
- Hohe Energie- und Standortkosten verschärfen den Druck.

Finanzkennzahlen im Blick
Die jüngsten Zahlen des Konzerns spiegeln den Gegenwind wider. Umsatz, operatives Ergebnis und Jahresgewinn fielen im Quartal spürbar.
- Umsatz erstes Quartal 2025: 3,9 Milliarden Euro (-5,9 %)
- EBIT: 171,5 Millionen Euro (fast -25 %)
- Konzernergebnis: 106,3 Millionen Euro (-29 %)
- Voestalpine Böhler Bleche Umsatz 2024/25: 138 Millionen Euro
Böhler Bleche stellt Bleche und Zuschnitte aus Schnellarbeits- und Werkzeugstahl her. Dazu kommen Werkstoffe für Luftfahrt und hitze- oder korrosionsbeständige Stähle. Das Werk ist zudem der einzige europäische Hersteller von Titanplatten.
Handlungsoptionen und mögliche Folgen
Im Unternehmen wird über mehrere Szenarien diskutiert. Eine verbindliche Entscheidung steht noch aus.
- Verlagerung einzelner Produktlinien nach Kapfenberg
- Teilverkauf oder strategische Partnerschaften
- Kapazitätsanpassungen bis hin zu Schichtreduzierungen
- Weiterer Abbau von Stellen, falls Profitabilitätsziele nicht erreicht werden
Das Management will laut eigener Aussage bis Ende des Jahres konkrete Schritte ableiten und schnell umsetzen. Die Belegschaft wurde vorab informiert. Weitere Maßnahmen sollen folgen.
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Markus Huber ist Industrie-Analyst mit Schwerpunkt auf Automatisierung und 3D-Fertigung. Er zeigt Ihnen, wie Sie Prozesse digitalisieren und Ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.