Strukturiertes Kompetenz-Management kommt allen zu Gute

Die ISO Standards 9001, 14001 und die kommende 45001 fordern in Kapitel 7.2. den Umgang mit Kompetenzen. Aber wie erfüllen Unternehmen die Anforderungen dieses Kapitels?

Die internationale Zertifizierungsgesellschaft DNV GL befragte dazu 996 ihrer Kunden mit zertifizierten Qualitäts-, Umwelt- und/oder Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsystemen. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Mehrheit der Teilnehmer effektive Trainingsprozesse im Unternehmen implementiert und den identifizierten Schulungsbedarf für das Jahr 2016 weitestgehend nach Plan erbracht hat. Dies überrascht nicht, da alle befragten Unternehmen über ein zertifiziertes Qualitäts-, Umwelt- und/oder Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsystem verfügen. Die entsprechenden Standards ISO 9001:2015, ISO 14001:2015 und die kommende ISO 45001 fordern in Kapitel 7.2 für Personen, welche die Leistung und Wirksamkeit des Managementsystems beeinflussen, die erforderliche Kompetenz zu bestimmen, sicherzustellen, zu erwerben und nachzuweisen.

Unsicherheiten bei der Messung von Effektivität und Effizienz der Trainings

Danach befragt, inwieweit Trainingsprozesse wie die Bestimmung der erforderlichen Kompetenz, die Ermittlung von Trainingsbedarf in Mitarbeitergesprächen und die Planung und Durchführung von Aus- und Weiterbildung auf Basis des identifizierten Schulungsbedarfs nachvollzogen wurden, erzielten alle Unternehmen Werte zwischen 2,6 und 2,8. Grundlage war eine Selbsteinschätzung basierend auf einer Skala von 1 („nicht angewendet“) bis 4 („gelebter Standard“). Lediglich bei der Messung der Wirksamkeit der durchgeführten Aus- und Weiterbildung sind die Bewertungen geringfügig niedriger. Dies bestätigt, was die DNV GL Auditoren auch in der Praxis häufig sehen: Unternehmen finden es schwierig, diese Maßnahme strukturiert zu implementieren und durchzuführen. Es gibt Unsicherheiten, wie die Effektivität und Effizienz der Trainings gemessen werden kann.

Mit Training und Kompetenz zum Unternehmenserfolg

Um den Schulungsbedarf zu bestimmen, werden als Grundlage für die Kompetenzbeurteilung am häufigsten individuelle Mitarbeitergespräche und firmenspezifische Ausbildungsziele und Anforderungen genutzt. Sehr erfreulich sind die ähnlich hohen Bewertungen der Berücksichtigung der strategischen Ausrichtung, der Unternehmenspolitik und der Ziele bei der Bestimmung des Schulungsbedarfs. Dieses Ergebnis steht im Einklang mit den Absichten der Standards, dass Training und Kompetenzen, Unternehmen bei der Erreichung der beabsichtigten Ziele unterstützten sollen.

Michael Niemeier, Leiter Unternehmenskommunikation bei DNV GL – Business Assurance, betont die Bedeutung eines strukturierten Ansatzes: „Strukturiertes Kompetenzmanagement kommt allen zu Gute – den Mitarbeitern und dem Unternehmen. Mitarbeiter sind motiviert und fühlen sich in einem Umfeld mit positiver Fehlerkultur stressfreier. Jeder weiß, was und wann er es zu tun hat. Und jeder weiß, was zu tun ist, wenn Dinge einmal schieflaufen.“

Die gesamten Ergebnisse der Umfrage (in Englisch) können kostenlos von der Website von DNV GL Deutschland heruntergeladen werden. Dort sind auch weitere Umfrageergebnisse (in Deutsch) zu folgenden neuen Kapiteln der Standards erhältlich:

  • 4.1 Verstehen der Organisation und ihres Kontextes
  • 4.2 Verstehen der Erfordernisse und Erwartungen interessierter Parteien
  • 6.1 Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen
  • 5.1 Führung und Verpflichtung
  • 7.4 Kommunikation

Christian Pleschberger

Freier Redakteur, zertifizierter Technischer Redakteur bei satz KONTOR
DI Christian Pleschberger ist Absolvent der Universität für Bodenkultur, Freier Redakteur und zertifizierter Technischer Redakteur

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